Und während die Zeit vergeht, schreiten wir voran

Aktualisiert: 1. Apr.

Die letzten Wochen waren turbulent, aber schön. Es ist viel passiert und es gibt noch viel mehr zu tun. Hier eine kurze Zusammenfassung, wie es uns seit unserer Geburt ergangen ist – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit dem Versprechen, fortan regelmäßiger zu berichten.

Ein Besuch in Ägypten und die Frage, warum sich Diktaturen vor Literatur nicht fürchten müssen. Oder eben doch?


Der Winter ist in Berlin bekanntlich grau. Sehr grau. Der Himmel. Die Straßen. Die Fassaden. Die Gesichter. Alles verschmilzt zu einem eintönigen Matsch. Unansehnlich. Unerträglich. Unmöglich abzustreifen. Alles ist trist. Alles schmeckt fahl. Warum haben sich Menschen überhaupt in diesen Breitengraden angesiedelt?


Wir haben die Gelegenheit ergriffen und sind einer Einladung nach Ägypten gefolgt, um dieses Land, seine Menschen, seine Literatur und seine Kultur näher kennenzulernen. Wüsten, Großstädte, Flüsse und Oasen. Museen, Tempel, Literaturhäuser, Souks und Bars. Von Norden nach Süden. Von Westen nach Osten. In Nachtzügen, Taxis, Micro-Bussen und auf einer Feluke segelnd haben wir beobachtet, geredet, zugehört und Freundschaften geschlossen.



Was im Reisegepäck nicht fehlen durfte, uns in den kalten Nächten geholfen und viele Gespräche eröffnet hat: Das MANIFEST FÜR EIN GUTES LEBEN von Poljak Wlassowetz, wohlverpackt im handlichen Innentaschenformat. Praktisch für unterwegs und überhaupt im Zeitalter der Zukunftslosigkeit. Zwei unserer Bücher, namentlich der Roman LITIOTOPIA und das eben genannte Manifest haben wir in die heiligen Hallen der Bibliothek von Alexandria gebracht (die antike Bibliothek wurde in den Wirren der Weltgeschichte zerstört). Wir hoffen, dass man unsere Bücher im Katalog listen wird.


Nach vielen Begegnungen und Gesprächen über die Bedeutung eines guten Lebens, über Revolutionen und die Kraft von Literatur und Kunst, glauben wir, dass wir dieses Land und seine Menschen nun besser verstehen können. Das Ergebnis unserer Reise ist die Idee für eine neue Buchreihe: LITERATUR vs. DIKTATUR. Wir wollen Texte veröffentlichen, die zeigen, wie Literatur unter schwierigsten politischen Verhältnissen bestehen kann, ob und wie sie neue Denkräume eröffnet und weshalb man sich vor Literatur nicht fürchten muss. Sofern man nicht auf der falschen Seite steht. Einsendungen und Empfehlungen sind herzlichst willkommen.


Unser Kopf & Kragen-Pop-Up-Store und das ewige Ringen um Aufmerksamkeit


Rund 70.000 Neuerscheinungen pro Jahr. Allein in Deutschland. Wir freuen uns stets über die lebendige Buch- und Literaturlandschaft und über etliche wunderbare Veröffentlichungen von ebensolchen Autor:innen und Verlagen. Gleichzeitig erschwert diese schiere Flut an Büchern das Wahrnehmen von neuen Verlagen und unerzählten Geschichten, die es im Strom des thematisch leider oftmals Gleichen (was natürlich Ansichts- und Geschmackssache ist) und angesichts der "ökonomischen Zwänge" des Marktes und seiner Akteur:innen nicht einfach haben, aber für eine vielfältige Literaturlandschaft enorm wichtig sind.


Um unsere Bücher trotzdem halbwegs angemessen präsentieren zu können, haben wir im Februar kurzerhand einen Pop-Up-Store in Berlin-Neukölln eröffnet – leider hat uns der Vermieter inzwischen einen Strich durch die Rechnung gemacht, den Laden spontan sanieren lassen und nun stehen die 15qm wieder leer. Kahl. Verlassen. Ohne Existenzberechtigung. Sei´s drum. Es war schön und wir sind optimistisch, dass wir uns bald neue Räume erschließen werden.



Natürlich haben wir uns über die Vorstellung unseres Verlages und unserer Bücher u.a. im Börsenblatt - Wochenmagazin für den deutschen Buchhandel (Ausgabe 02/2022), in der Leipziger Volkszeitung, im RBB, im Literaturradio Hörbahn und im Literaturblog Read-Ost gefreut. Aber es gibt noch sehr viel zu tun, damit unsere Bücher von der Öffentlichkeit wirklich wahrgenommen werden.


Wir arbeiten also daran, einen besseren Zugang zu Buchhändler:innen, Journalist:innen, Blogger:innen und vor allem Leser:innen zu bekommen und versuchen unsere Vertriebsstrukturen zu professionalisieren sowie unsere Kontakte auszubauen. Gerne könnt ihr uns dabei unterstützen, indem ihr anderen von uns erzählt, unsere Bücher lest, rezensiert und/oder weiterempfehlt.


Literatur und Kunst im öffentlichen Raum


Mit Hilfe der Bewegung 3. Juli haben wir in München, Leipzig, Nürnberg, Hamburg, Köln und Frankfurt eine Plakatkampagne realisiert und über 2000 Programmflyer unter unsere Mitmenschen gebracht. Ziel war es, die Visionen unseres Verlages und unserer Autor:innen zu streuen. Zudem haben wir eine berlinweite Projektorenguerillaaktion durchgeführt. Das Bildmaterial (sehr chic!) werden wir in den kommenden Tagen gesondert veröffentlichen.



Vorbereitung für unseren ersten Kopf & Kragen Literatur- & Kunstsalon

Der Maler, Musiker und Performancekünstler Cris koch, die Theatermacherin und Performancekünstlerin Caroline Galvis und der Schriftsteller Poljak Wlassowetz haben sich in unseren Verlagsräumen getroffen und recordet. Den akkustischen Trailer (work in progress) zum Roman LITIOTOPIA und ein Interview mit Poljak Wlassowetz gibt es beim Literaturradio Hörbahn in voller Länge. Hier zwei kurze Eindrücke:




Der Trailer ist ein Zwischenschritt hin zu einer multimedialen Spoken-Word-Performance, die im Rahmen unseres ersten Kopf & Kragen Literatur- & Kunstsalons Premiere feiern wird. Sobald wir die Raumfrage geklärt haben, werden wir zum Salon einladen. Der Salon findet voraussichtlich Mitte Mai in Berlin statt. Wir freuen uns auf dieses Happening, auf einen ausgelassenen Abend mit Literatur, Musik, Kunst, Konversation und Ausschweifung.


Das Weltgeschehen und die vorübergehende Sprachlosigkeit


Am 24.02.2022, dem Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine, hat es uns die Sprache verschlagen. Wir haben apathisch auf unsere Bildschirme gestarrt, ununterbrochen alle denkbaren Newsticker aktualisiert und um Fassung gerungen, tagelang, weil das fast Undenkbare Wirklichkeit geworden ist: Ein Angriffskrieg in Europa. In unserer Hilflosigkeit haben wir gespendet, demonstriert und die Schutzsuchenden Ukrainer:innen am Berliner Hauptbahnhof unterstützt.


Wir sind inzwischen zumindest so weit gefasst (sofern man dies in Anbetracht der täglichen Schreckensbilder sein kann), dass wir auch künstlerisch Stellung beziehen konnten und zwar in Form der visualisierten und vertonten Denkanstöße 23, 31, 52 und 59 aus dem MANIFEST FÜR EIN GUTES LEBEN:




Wir sind über die europäische Hilfsbereitschaft, politisch und zivilgesellschaftlich, froh und appellieren zugleich an ALLE, dass die Solidarität mit der Ukraine nicht nachlassen darf, sondern intensiviert werden muss. Um unseren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, versuchen wir gerade u.a. ein Buchprojekt mit ukrainischen Autor:innen zu realisieren. Wir hoffen, dass uns dieses Vorhaben baldmöglichst gelingen wird. Слава Україні!


Was dieses Jahr noch bringen wird? Neue Autor:innen und neue Bücher


In wenigen Wochen wird unser erstes Unikatbuch erscheinen: METAMORPHOSIS. 100 % handmade by Christian Weber. Ein Einzelstück. Ein Kunstobjekt. Eine fast 5 Meter lange Monotypie in Form eines Leporellos. Außerdem arbeiten wir an einer limitierten Auflage von Siebdrucken, die wir ebenfalls in unserem Online-Shop anbieten wollen.


Auch die Vorbereitungen für unsere Berlin-Anthologie UNTERGRUND_miniaturen U2 / U8 laufen auf Hochtouren. Wir prüfen gerade die vielen spannenden Einsendungen und freuen uns auch weiterhin über verschriftliche Beobachtungen, Begegnungen und Visionen entlang der Hauptstadtadern. Da wir organisatorisch etwas hinter unserem Zeitplan liegen, haben wir den Einsendeschluss für die Prosaminiaturen auf Mitte Mai verlängert. Ende Mai / Anfang Juni werden wir die ausgewählten Autor:innen kontaktieren. Die Anthologie soll im Herbst 2022 erscheinen.


Parallel dazu klären wir gerade die letzten Details mit unseren zukünftigen Partnern ZLZZ, ZQRR und ZKRAG. Deren zukunftsweisende Streitschrift / Parteiprogramm wollen wir ebenfalls bis zum Herbst 2022 veröffentlichen. Was wir vorab verraten können: Es wird extraterrestrisch, illustrativ, revolutionär und pink.


Zudem bemühen wir uns um die Übersetzungsrechte für den aktuellen Roman eines von uns sehr geschätzten kongolesisch-französischen Autoren. Um wen es sich handelt? Wenn alles klappt, lassen wir er euch bald wissen!


Es gibt also haufenweise Arbeit, aber unser Elan ist ungebrochen. Wir wollen weiterhin unsere Ideen und Visionen verbreiten, Autor:innen fördern und mit unseren Büchern Diskurse auslösen. Wir tun unser Möglichstes, dass uns dies gelingen wird.


In diesem Sinne: LITERATUR & KUNST. KRITIK & VISIONEN. FUCK YOU PUTIN.


Herzlichst und auf bald

Kopf & Kragen Literaturverlag

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